Praxisbeispiel: Sanierungsfähigkeit prüfen und strukturell wiederherstellen
Ausgangssituation: Wirtschaftliche Tragfähigkeit analysieren und eine belastbare Strategie mit Maßnahmenprogramm zur nachhaltigen Ergebnisverbesserung entwickeln
Im Rahmen eines Sanierungsgutachtens wurde die wirtschaftliche Tragfähigkeit der Großbäckerei umfassend geprüft. Ziel war es, die Sanierungsfähigkeit objektiv zu bewerten, strukturelle Schwächen transparent zu machen und ein belastbares Maßnahmenprogramm zur Wiederherstellung nachhaltiger Rentabilität zu entwickeln.
Grundlage bildeten eine integrierte Finanzplanung, Break-even-Analysen sowie die systematische Untersuchung von Kostenstruktur, Produktionslogik und Marktposition.
Zu beachten war hierbei, die Perspektiven aller Beteiligten – Geschäftsführung, Betriebsrat, Mitarbeitende, Einkauf, Produktion, Logistik und Technik – zusammenzuführen. Erstmals wurden bereichsübergreifend gemeinsame Lösungen diskutiert, was den Grundstein für ein gemeinsames Verständnis der Situation legte.
Unser Vorgehen: Strukturierter Prozess zur Erstellung des Sanierungsgutachtens
1. Initialanalyse und Bestandaufnahme
Das Projekt wurde in vier Phasen gegliedert, um eine objektive und nachvollziehbare Bewertung der Sanierungsfähigkeit zu gewährleisten.
Zur ersten Einschätzung wurde analysiert:
- Sichtung der betriebswirtschaftlichen Unterlagen
- Analyse der Krisenursachen
- Ersteinschätzung zu Zahlungsfähigkeit und Überschuldung
Diese Phase bildete die Grundlage für eine objektive Bewertung der Ausgangslage.
2. Unternehmens- und Marktanalyse
Ziel war es, die wirtschaftlichen und operativen Potenziale sowie Schwachstellen klar zu identifizieren:
- Durchführung einer SWOT-Analyse (Stärken, Schwächen, Chancen, Risiken)
- Beurteilung des Geschäftsmodells und der Marktposition
- Bewertung des Produktportfolios
- Begehung der Produktionsanlagen mit Analyse von Kapazitäten, Auslastung und Störzeiten
- OEE-Analyse (Overall Equipment Effectiveness) zur Messung von Produktivität und Effizienz
3. Planungsphase und Sanierungsansatz
Diese Analysen dienten dazu, die erforderlichen Maßnahmen mit einer belastbaren Zahlenbasis zu hinterlegen:
- Entwicklung eines realistischen Zielbildes
- Vorschläge zur Optimierung der Logistikprozesse, einer Bereinigung des Produktportfolios sowie damit verbunden einer Reduzierung von Backstraßen
- Berechnung des Break-even-Umsatzes
- Erstellung einer Cashflow-Entwicklung und Liquiditätsvorschau
4. Bewertung der Sanierungsfähigkeit
Auf Grundlage der Analysen wurde eine Bewertung der Sanierungs- und wirtschaftlichen Tragfähigkeit vorgenommen:
- Ableitung und Bewertung konkreter Sanierungsmaßnahmen
- Erstellung von Szenario-Analysen (Base / Best / Worst Case)
- Beurteilung der wirtschaftlichen Tragfähigkeit und Fortführungsprognose
5. Erstellung des Sanierungsgutachtens
Das von Ralph Schlüter erstellte Sanierungsgutachten umfasste folgende Elemente:
- Detaillierte Beschreibung der Unternehmensstruktur und Analyse der Krisenursachen
- Prüfung der Insolvenzgründe: keine Zahlungsunfähigkeit, keine Überschuldung bei positiver Fortführungsprognose
- Entwicklung eines zukunftsfähigen Unternehmensleitbildes mit strategischer Neuausrichtung
- Ausarbeitung eines Maßnahmenkatalogs mit operativen, strategischen und finanziellen Hebeln
- Integrierter Finanzplan (GuV, Bilanz, Cashflow) über drei Jahre
- Bewertung der Sanierungsfähigkeit unter Berücksichtigung von Chancen, Risiken und Branchenfaktoren
6. Vorstellung der Ergebnisse und Handlungsempfehlungen
In einer abschließenden Präsentation gegenüber Geschäftsführung und Betriebsrat wurden die Ergebnisse vorgestellt und konkrete Handlungsempfehlungen abgeleitet.
Kurzfristige Maßnahmen (0–6 Monate)
- Einsparungen durch Optimierung der Frachten
- Anpassung im Schichtsystem
- Effizienzsteigerung im Einkauf
- Preisanpassungen bei internen Lieferbeziehungen
Mittelfristige Maßnahmen (6–18 Monate)
- Sortimentsbereinigung zur Steigerung der Deckungsbeiträge
- Abbau veralteter Anlagen, Optimierung von Platzbedarf und Wegeführung
- Produktionsplanung optimieren (Losgrößen, Rüstzeiten)
- Logistik- und Frachtkosten weiter reduzieren
Langfristige Perspektive
- Sozialverträgliche Personalreduzierung insbesondere in indirekten Bereichen
- Investitionen in Wärmenutzung und Energieeffizienz (im Rahmen kommunaler Wärmeplanung)
- Modernisierung der Produktionsstraßen
- Beantragung von BAFA-Fördermitteln für energieeffiziente Anlagen
Ergebnis: Sanierungsfähigkeit bestätigt - konkrete wirtschaftliche Hebel identifiziert
Die Analyse bestätigte die grundsätzliche Sanierungsfähigkeit der Großbäckerei. Das Unternehmen verfügt über eine stabile Marktposition und einen guten Ruf bei seinen Kunden. Gleichzeitig wurden signifikante strukturelle Optimierungspotenziale identifiziert, die eine nachhaltige Rückkehr zur Profitabilität ermöglichen. Die dentifizierten wirtschaftliche Hebel sind:
Schicht- und Personaleinsatzoptimierung
- Optimierung des Schichtsystems
- Reduzierung von Sonn- und Feiertagsschichten
- Anpassung der Personalstruktur
→ Einsparpotenzial: ca. 900.000 EUR jährlich
Sortiments- und Produktionsoptimierung
- Bereinigung der unwirtschaftlich hohen Produktvielfalt
- Reduktion komplexitätsbedingter Produktionsaufwände
- Optimierung des Seriendurchlaufs
→ Gesamtpotenzial im Produktionsbereich: bis zu 40 % Kostensenkung
Logistik- und Bestandsoptimierung
- Optimierung der Lager- und Transportstruktur
- Reduzierung ineffizienter Logistikprozesse
→ Potenzial: ca. 4,7 Mio. EUR
Struktur und Fixkosten
- Reduktion des hohen Fixkostenanteils
- Technische Modernisierung mit Energieeffizienzhebel
- Anpassung der Kapazitätsstruktur an realistische Absatzprognosen
Finanzielle Wirkung
Der integrierte Finanzplan zeigt:
- Positiver operativer Cashflow spätestens ab dem dritten Sanierungsjahr
- Reduzierung des erforderlichen Break-even-Umsatzes um rund 20 %
- Nachhaltige Rückkehr in die Gewinnzone bei realistisch erreichbaren Umsätzen
Strategische Perspektive
Durch die konsequente Umsetzung der identifizierten Maßnahmen kann das Unternehmen:
- seine Kostenstruktur nachhaltig stabilisieren
- die Produktionskomplexität reduzieren
- die Liquidität sichern
- und auf einer gesunden Basis weiteres Wachstum gestalten
Fazit: Objektive Bewertung und klarer Weg zur Sanierung
Das strukturierte Vorgehen im Rahmen des Sanierungsgutachtens ermöglichte eine objektive Beurteilung der Lage sowie einen klaren Pfad zur Stabilisierung und Neuausrichtung.
Das Gutachten belegte nachvollziehbar die Sanierungsfähigkeit des Unternehmens und zeigte Wege auf, wie Liquidität, Effizienz und Wettbewerbsfähigkeit langfristig gesichert werden können. Die Konzernmutter erkannte die grundsätzliche Sanierungsfähigkeit der Tochtergesellschaft an. Die berechnete Rendite bleibt bei den empfohlenen Maßnahmen allerdings nur im Durchschnitt der Branche. Die Vorstellungen im Vorstand zielen auf einen höheren Wert ab.
Die endgültige Entscheidung über Weiterführung oder Schließung liegt nun in der Hand der Konzernleitung – unter Berücksichtigung übergeordneter strategischer Ziele.